Gastvortrag Damaris Nübling

Die Köche vs. die Kochs, die Länder vs. die beiden Deutschland(s?)
Zur Sondergrammatik von Eigennamen im Deutschen

Datum: 25.11.2016
Zeit: 15.15 Uhr
Ort: Van Wijkplaats 4, Raum 005

Eigennamen fristen in der Linguistik ein merkwürdiges Schattendasein: Die Linguistik befasst sich kaum mit der Onomastik und umgekehrt. Dabei verblüffen Eigennamen durch ein ausgeprägtes grammatisches Sonderverhalten auf allen Ebenen der Sprache: phonologisch, morphologisch, bzgl. Genus, Numerus, Kasus und Definitheit, syntaktisch, graphematisch etc. Der Vortrag greift einige Besonderheiten von (deutschen) Eigennamen heraus und beleuchtet sie auch in ihrer diachronen Entwicklung: Die zunehmende Deflexion, das besondere Genusverhalten und die Entwicklung echter Classifier aus dem Artikel, den Eigennamen funktional nicht benötigen und reanalysiert haben. Immer wieder erweist sich, dass Namen besonders schwierig zu verarbeitende Einheiten sind, die der besonderen Wortschonung bedürfen. Aus dieser Notwendigkeit leiten sich die meisten grammatischen Besonderheiten von Eigennamen ab, ein wichtiges Ziel besteht in der Stabilisierung des Eigennamenkörpers. 


Damaris Nübling ist Professorin an der Universität Mainz. Ihre Forschungsgebiete sind die historische und die kontrastive Linguistik, die Dialektologie, die Onomastik, die Graphematik und die Gender-Linguistik. 2014 erhielt sie den Konrad-Duden-Preis, eine Auszeichnung für Germanisten, die sich um die Erforschung der deutschen Sprache besonders verdient gemacht haben.

Laatst Gewijzigd: 04-11-2016